Wirtschaftsspiegel
Nr. 7093496
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Unternehmen & Märkte

Nachfolge mit Zeit

Patrick Schulte-Austum lässt sich Zeit mit der Übernahme des Familienunternehmens. Sein Vater Stephan Heitkamp, Inhaber der Dräger Palettenhandel GmbH, ist erst 52 Jahre alt. Vor drei Jahren stieg der Sohn ins Unternehmen ein und übernimmt seither schrittweise mehr Verantwortung.
Der 28-Jährige Patrick Schulte-Austum hat sich zu nichts gedrängt gefühlt. Zwar half er schon früher in den Schulferien im Unternehmen, diskutierte mit 16 am Küchentisch über die Gründung eines zusätzlichen Unternehmens in Polen oder unterstützte bei der IT-Infrastruktur. Dennoch arbeitete er nach abgeschlossenem dualem Studium der Wirtschaftsinformatik zunächst bei seinem Ausbildungsbetrieb, der Telekom IT GmbH. Dass er das Unternehmen des Vaters übernehmen könnte, war immer mal wieder ein Thema. Eilig ist es jedoch nicht.

Nachfolge innerhalb der Familie

Seine Eltern stießen in der Zeitung auf das Coaching-Programm „NachfolgeKompass“. Bei der ersten Veranstaltung lernte Schulte-Austum die anderen Nachfolge-Kandidaten kennen: Wer hat welche Hobbys? Wer hat schon einen Business-Plan geschrieben? „Wir kamen schnell in vertrauensvolle Gespräche“, erzählt er. Besonders hilfreich fand er den „Emotions-Fahrplan“ für die Unternehmensnachfolge. Auch über Führungsstile und -methoden nahm er viel mit. Den größten Gewinn sieht er jedoch im Austausch mit den anderen Nachwuchsunternehmern. „Die Probleme und Sorgen sind oft sehr unterschiedlich, das führte zu lebhaften Diskussionen. “
Für Schulte-Austum spielen die Themen Familie und Unternehmertum sowie die familieninterne Nachfolge eine wichtige Rolle – anders als bei Ben Becker-Schatke.
Die Arbeit im Unternehmen, das er nun gemeinsam mit seinem Vater führt, empfindet er als „deutlich offener“ als die im stark strukturierten IT-Security-Bereich, in dem er zuvor tätig war. Sein Aufgabenfeld reicht von Personalgesprächen über Tourenplanung bis hin zur Strategieentwicklung – „ein buntes Sammelsurium“, wie er es nennt. Er arbeitet jetzt eigenverantwortlicher, ohne die engen Deadlines, die Vorgesetzte früher setzten. Ein weiterer Unterschied: Während er bei der Telekom oft im Homeoffice in Münster arbeitete, ist er nun fast ständig vor Ort in Recke. Das hat auch Auswirkungen auf sein Hobby: Er wechselte die Tanzformation und trainiert nun in Münster statt in Emsdetten, um die sechs bis acht Stunden Training pro Woche unterzubringen.
Schulte-Austum hat seinen Platz gefunden – sowohl im Unternehmen als auch auf der Tanzfläche. Im Coaching-Programm „NachfolgeKompass“ bereitet er sich weiter auf seine Zukunft als Unternehmer vor.