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Im Dialog und wartet 18 Monate auf die Baugenehmigung. Der Unternehmer hat den Auftrag schon in der Ta- sche, die Finanzierung steht bereit. Dann beginnt das Warten. Monat für Monat steigen die Material- kosten um 15 %. Der Kunde wird ungeduldig, droht abzuspringen. Die Bank fragt nach der Zwischen- nanzierung. Was im Gesetz ‚Planungsverfahren‘ heißt, wird zur Zitterpartie. Am Ende steht viel- leicht die Genehmigung – aber der Auftrag ist weg, die Kosten explodieren, das Unternehmen steht mit leeren Händen da. Positiv hervorzuheben ist je- doch, dass wir im Emsland mit Dr. Michael Kiehl und Martina Kruse vom Landkreis Emsland an ent- scheidenden Stellen Personen haben, die sich aktiv für Prozessbeschleunigungen und eine stärkere Wirtschaft einsetzen. _Wie ist das bei Anträgen? Gerade der Umfang von Antragsunterlagen ist ein ständiger Quell der Frustration. Ein Unternehmen beantragt eine Förderung, um dann vier Wochen auf die Antwort zu warten. Dann kommt die Post: ‚Formular 3b fehlt die Unterschrift auf Seite 4‘ oder ‚Anlage 7 ist nicht unterschrieben‘. Jetzt beginnt das Spiel von vorne: Formular drucken, unter- schreiben, zur Post bringen, wieder warten. Auch der Digitalisierungsrückstand in der Verwaltung ist frustrierend. Unternehmen arbeiten längst digital. Aber bei der Behörde endet die Digitalisierung häu g: Ein Unternehmen meldet sich online an – und bekommt dann die Nachricht: ‚Bitte unter- schreiben Sie das Formular und senden Sie es uns per Post zu‘. Das ist wie ein Rückfall in die Papier- zeit. Das Unternehmen muss alles ausdrucken, un- terschreiben, einpacken, zur Post bringen. Die Be- hörde scannt es wieder ein. Doppelarbeit für beide Seiten – und das im Jahr 2026. _Ministerpräsident Olaf Lies hat auf unserem IHK-Neujahrsempfang angekündigt, dass eine Vielzahl von Berichts- und Statistikp ichten durch die Landesregierung ausgesetzt werden soll. Wie bewerten Sie diesen Schritt? Diesen Schritt begrüße ich ausdrücklich – aber mit einem wichtigen Vorbehalt: Ankündigungen sind gut, Umsetzung besser. Ich erlebe in meiner Praxis täglich, wie sehr Unternehmer darauf warten, dass aus Worten Taten werden. _Welche Maßnahmen sind aus Ihrer beru ichen Praxis hilfreich, um Unternehmen von bürokrati- schen Hemmnissen zu entlasten? Die Entlastung der Unternehmen braucht aus mei- ner Sicht drei Hebel: 1. Praxisprüfung statt Schreibtischpolitik: Bevor ein Gesetz verabschiedet wird, muss es in der Praxis getestet werden – wie ein Auto vor der Serienproduktion. Wenn ein Ingenieur ein neues Auto am Computer entwirft, sieht es perfekt aus. Alle Berechnungen stimmen. Aber erst wenn das Auto auf der Teststrecke fährt, merkt man: Der Rückspiegel ist zu klein, der Tankdeckel klemmt, der Motor ist zu laut. Genauso ist es bei Geset- zen: Im Ministerium sieht alles logisch aus. Aber erst in der Praxis zeigt sich, was wirklich funk- tioniert. Deshalb brauchen wir verp ichtende Praxis-Checks für jedes neue Gesetz. 2. Digitalisierung statt Papierkram: Genehmi- gungsverfahren müssen zügig und transparent ablaufen. Aber Digitalisierung ist mehr als nur PDF-Formulare im Internet. Sie bedeutet durch- gängig digitale Prozesse. 3. Weniger Bürokratie, mehr Freiraum: Hier braucht es Mut zum Streichen – und zwar radikal. Die ‚One-in-one-out‘-Regelung klingt gut, aber sie reicht nicht. Wenn eine neue Regel kommt und eine alte wegfällt, bleibt die Last gleich. Wir brauchen weniger, nicht nur anders. _Warum ist das alles so wichtig? Weniger Bürokratie bedeutet mehr Freiraum für das, was Unternehmen wirklich können: Produkte entwickeln, Kunden gewinnen, Arbeitsplätze schaffen. Als Restrukturierungsexpertin wünsche ich mir, dass die Unternehmen aus unserer Region diese Entlastung bald spüren – nicht als Verspre- chen, sondern als Realität. Denn Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck. Er ist eine Frage der Zu- kunftsfähigkeit unserer Wirtschaft. „Was im Gesetz ‚Planungsverfahren‘ heißt, wird zur Zitterpartie“ | 16 Osnabrück | Emsland | Grafschaft Bentheim | Juni 2026 IM FOKUS | Bürokratieabbau – jetzt!

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