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„Jeder Mensch kann an der richtigen Stelle gute Ergebnisse erzielen“
Von Immobilien bis zu Jalall D’or: Birgit Hövener über mutige Entscheidungen, wirtschaftliche Zweifel und die Kraft verlässlicher Netzwerke. Und darüber, warum unternehmerische Entwicklung selten geradlinig verläuft.
Wirtschaftsspiegel: Was war der Wendepunkt Ihrer beruflichen Laufbahn. Und was haben Sie daraus gemacht?
Birgit Hövener: Es gab nicht den einen Wendepunkt, sondern mehrere. Der erste kam mit der Geburt unserer ältesten Tochter. Damals war ich Bankkauffrau, hatte BWL studiert und arbeitete in der Bank. Für mich war klar: Ich gehe in Mutterschutz, nehme Elternzeit und kehre zurück.
Doch es kam anders. Zunächst begann ich mit Unterstützung meines Vaters, heruntergekommene Wohnungen aus Zwangsversteigerungen zu kaufen, zu renovieren und entweder zu verkaufen oder im Bestand zu halten. So entstand das Immobilienunternehmen. Mein Vater half mir in der Anfangsphase. Später stieg mein Mann ein. Heute sind wir beide Gesellschafter und Geschäftsführer und haben das Unternehmen gemeinsam weiterentwickelt. Ferienwohnungen und möbliertes Wohnen kamen hinzu. Der zweite Wendepunkt kam Jahre später durch mein Netzwerk. Eine Unternehmerin fragte, ob ich jemanden wüsste, der ihre Marke und ihren Onlineshop übernehmen könnte. Ich sagte: „Ich mach das.“ Ihre Reaktion war: „Auf keinen Fall, das ist zu viel Arbeit. “ Aber ich komme vom Bauernhof. Arbeit hat mich nie abgeschreckt. Also habe ich es gemacht.
Birgit Hövener führt in Münster zwei Unternehmen: Die Dr. Hövener Nachf. GmbH gründete sie 2007, den Feinkostanbieter Jalall D’or übernahm sie 2019.
Wirtschaftsspiegel: Welche Entscheidung war besonders mutig. Und warum war sie notwendig?
Hövener: Im Lebensmittelbereich konsequent auf B2B zu setzen. Vor der Übernahme war Jalall D’or an Endverbraucher ausgerichtet, also B2C. Lebensmittel sind aber wirtschaftlich anspruchsvoll: es herrschen niedrige Margen und hoher Wettbewerbsdruck. Wer langfristig bestehen will, braucht Größe und verlässliche Kunden. Das konnte ich nur durch die Umstellung auf B2B erreichen.
Deshalb entschied ich, stärker auf Händler und Unternehmenskunden zuzugehen. Das bedeutete: rausgehen, sichtbar werden, Messen besuchen, unser Unternehmen präsentieren. Ich stand plötzlich in Frankfurt, München oder Hamburg und sprach über unsere Arbeit. Das war aufregend und lehrreich. Händler sind nah am Kunden. Wer ihnen zuhört, erfährt, was gebraucht wird.
Wirtschaftsspiegel: Wovon waren Sie mal überzeugt und denken heute anders?
Hövener: Früher glaubte ich, dass man in fast jede Aufgabe hineinwachsen kann. Auch bei mir selbst dachte ich oft: „Das schaffe ich schon.“ Sonst hätte ich mich wahrscheinlich nicht selbstständig gemacht und später noch ein Unternehmen in einer für mich völlig neuen Branche übernommen.
Dabei habe ich aber auch gemerkt, dass Optimismus allein nicht reicht. Jalall D’or wirtschaftlich erfolgreich aufzustellen, war schwieriger, als ich anfangs gedacht hatte. Es gab Situationen, in denen ich selbst gezweifelt und mich gefragt habe, ob mein Weg wirklich funktioniert. Ich musste lernen, nicht auf alles sofort eine Antwort zu haben, mich mit anderen auszutauschen und Entscheidungen immer wieder zu überprüfen.
Heute sehe ich deshalb auch Führung differenzierter. Natürlich brauchen Menschen Entwicklungsmöglichkeiten. Aber Führung heißt ebenso, die richtige Aufgabe für die richtige Person zu finden. Ein menschenfreundlicher Vertriebler wird nicht glücklich, wenn er sich durch Excel-Listen quälen muss. Auch wenn er es könnte. Entscheidend ist nicht nur, ob jemand etwas kann, sondern ob er darin aufgeht.
- Birgit Hövener
Birgit Hövener ist Geschäftsführerin der Jalall D’or GmbH. Die Dr. Hövener Nachf. GmbH führt sie gemeinsam mit ihrem Mann als Gesellschafterin und Geschäftsführerin. Jalall D’or ist auf Nüsse, Trockenfrüchte und Schokoladensnacks als Geschenkideen und Angebote für Unternehmen spezialisiert. Die Dr. Hövener Nachf. GmbH aus Münster vermietet, verpachtet und entwickelt Wohnimmobilien. Das Immobilienunternehmen gründete Hövener 2007, Jalall D’or übernahm sie 2019. In der Dr. Hövener Nachf. GmbH arbeiten fünf Mitarbeitende, bei Jalall D’or acht. Hövener ist ausgebildete Bankkauffrau, hat BWL studiert und sich berufsbegleitend zur Immobilienökonomin weitergebildet. Seit rund 14 Jahren ist sie Mitglied im Business-Netzwerk Frauen (U)unternehmen, war dort vier Jahre im Vorstand und engagiert sich heute im Beirat. Ihr Lieblingszitat: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“
Wirtschaftsspiegel: Was hat Sie beruflich am meisten geprägt, obwohl es nicht zur Karriereplanung gehörte?
Hövener: Mich hat die Beschäftigung mit mir selbst stark geprägt. Ich komme von einem landwirtschaftlichen Betrieb und habe bestimmte Haltungen und Glaubenssätze mitgenommen. Irgendwann begann ich, genauer hinzusehen: Was trägt mich? Was darf bleiben? Was steht mir im Weg? Das war kein einzelnes Erlebnis, sondern ein Prozess. Ich habe mich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung und Selbstreflexion beschäftigt.
Ein weiterer prägender Punkt ist Netzwerkarbeit. Als Unternehmerin ist man oft allein. Man muss führen, stark sein und Richtung geben. Doch der Austausch mit anderen Unternehmern, auch aus anderen Branchen, öffnet den Blick. Ich mag Menschen, vernetze mich gern und glaube, dass darin große Kraft liegt.
Wirtschaftsspiegel: Was können andere von Ihnen lernen, das in keinem Businessratgeber steht?
Hövener: Vielleicht, dass ein bisschen naiver Optimismus helfen kann. Ich glaube fest: Wenn eine Tür zugeht, öffnet sich eine andere. Das hat sich rückblickend bei mir oft bewahrheitet.
Was andere vielleicht auch mitnehmen können: Jeder Mensch kann an der richtigen Stelle gute Ergebnisse erzielen. Es geht nicht nur um Leistung, sondern auch um Entwicklung, Wertschätzung und Teilhabe.
Wir arbeiten eng mit Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen zusammen. Natürlich braucht das mehr Geduld. Es geht nicht immer so schnell wie auf dem ersten Arbeitsmarkt. Aber wer Teilhabe ermöglicht, bewegt viel. Ich glaube, Wirtschaft kann menschlicher werden, wenn wir wertschätzender miteinander umgehen.
Wirtschaftsspiegel: Gibt es eine Regel in Ihrer Führungsarbeit, von der Sie nie abweichen?
Hövener: Eine Regel lautet: Über große Entscheidungen erst einmal schlafen. Mein Mann sagt das oft, und ich bemühe mich, es einzuhalten.
Noch wichtiger ist mir aber Augenhöhe. Erst zuhören, dann urteilen. Wenn mich etwas ärgert, reagiere ich nicht sofort, sondern versuche zu verstehen, was passiert ist. Ich möchte die Perspektive des anderen einnehmen, bevor ich meinen Standpunkt klar mache.
Das heißt nicht, dass ich ausweiche. Im Gegenteil: Ich kann unangenehm klar sein und Fragen stellen. Mir ist wichtig, dass Dinge geklärt werden. Dann ist es raus. Und dann geht es weiter.
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