Wirtschaftsspiegel
Nr. 7006646
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Carola Biesenbach
Unternehmen & Märkte

„Probleme sind verpackte Lösungen.“

Carola Biesenbach tauschte nach 20 Jahren die Festanstellung gegen die Selbständigkeit. Heute führt sie das Brautmodengeschäft Fräulein Wunder und den Juwelier Herrlich Gold in Bottrop-Kirchhellen. Über ihren radikalen Neuanfang, Resilienz und warum Probleme verpackte Lösungen sind.
Wirtschaftsspiegel: Was war der Wendepunkt Ihrer beruflichen Laufbahn – und was haben Sie daraus gemacht?
Carola Biesenbach: Ich habe ingesamt 20 Jahre im kaufmännischen Bereich und davon zuletzt mehr als zehn Jahre in ein und demselben Unternehmen gearbeitet. Erst als Assistentin der Geschäftsführung, später leitete ich den Innendienst und die Personalabteilung. Dann kamen interne Veränderungen. Meine Arbeit fühlte sich nicht mehr stimmig an. Mein Körper meldete sich. Burnout.
Ich musste mich neu orientieren. Zunächst wollte ich wieder in den kaufmännischen Bereich. Doch während einer Auszeit bot sich mir die Chance, ein Brautmodengeschäft zu eröffnen. Nach der Entscheidung ging alles schnell. Innerhalb von fünf Monaten bezog ich das neue Ladenlokal. Seit dem ersten Tag mache ich zukünftige Bräute mit ihrem Brautkleid glücklich.
Wirtschaftsspiegel: Welche Entscheidung war besonders mutig – und warum war sie notwendig?
Biesenbach: Brautkleider zu verkaufen war für mich komplett neu. Ich tauschte Festanstellung gegen Selbständigkeit. Ohne Plan B. Ganz oder gar nicht. Ich habe nie darüber nachgedacht, wie es wäre, zu scheitern. Ich glaubte fest an den Erfolg des Brautmodengeschäftes. Allen Unkenrufen zum Trotz. Für mich war das ein notwendiger Schritt. In dieser Selbständigkeit kann ich mein volles Potenzial entfalten. Ich habe Freude am Gestalten. Unmotivierte Arbeitstage gibt es kaum noch. Beruflich kann ich mir nichts Erfüllenderes vorstellen.
Wirtschaftsspiegel: Wovon waren Sie mal überzeugt und denken heute anders?
Biesenbach: Früher dachte ich: Man muss jahrelang lernen, um etwas richtig gut zu machen. Heute weiß ich: Das gilt nur bedingt. In der Selbständigkeit stehe ich täglich vor neuen Aufgaben. Mut, Engagement und der Wille zum Lernen helfen mir, diese zu meistern. Es ist nie zu spät, neu anzufangen.
Wirtschaftsspiegel: Was hat Sie beruflich am meisten geprägt – obwohl es nicht zur Karriereplanung gehörte?
Biesenbach: Am meisten geprägt hat mich meine Berufsausbildung zur Bürokauffrau. Ich hatte das Glück, so sehe ich es heute, in einem Ausbildungsbetrieb zu lernen, der sehr streng mit seinen Auszubildenden umging. Diese drei Jahre haben mir mental und körperlich alles abverlangt. Sie haben mich exzellent auf meinen beruflichen Weg vorbereitet. Heute kann ich sagen: Diese Zeit hat meine Resilienz gestärkt. Beruflich bringt mich kaum noch etwas aus der Ruhe.
Carola Biesenbach
Carola Biesenbach tauschte nach 20 Jahren die Festanstellung gegen die Selbständigkeit. © Herrlich Gold
Wirtschaftsspiegel: Was können andere von Ihnen lernen, das in keinem Businessratgeber steht?
Biesenbach: Ob ein Glas halb leer oder halb voll ist – jeder entscheidet das für sich selbst. Es kommt auf die innere Einstellung an. Mir hat es immer geholfen, Herausforderungen positiv zu begegnen. Dazu gibt es einen Spruch, den ich mir selbst gern sage: „Probleme sind verpackte Lösungen.“ Jedes gelöste Problem hat mir geholfen, Erfahrungen zu sammeln, zu wachsen und mein Selbstbewusstsein zu stärken. Dafür bin ich dankbar.
Wirtschaftsspiegel: Gibt es eine Regel in Ihrer Führungsarbeit, von der Sie nie abweichen?
Biesenbach: Ich stärke Stärken, nicht Schwächen. Jeder Mitarbeiter soll so arbeiten, dass er sein Potenzial entfalten kann. Nur dann erreichen wir optimale Ergebnisse. Nur dann sind wir als Team erfolgreich.
Better done than perfect!