Wirtschaftsspiegel
Nr. 6991950
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Wir investieren

Eiskalt verwandelt

REWE Gödecke hat kräftig in Top-Technik und westfälisches Flair investiert. Die Kundschaft findet das „töfte“.
„Es gibt Branchen, die mehr unter eine Wirtschaftskrise leiden, als ein Supermarkt“, sagt Kathrin Gödecke, Inhaberin der REWE Gödecke Märkte in Bottrop und in Bottrop-Kirchhellen. Sie verweist auf Studien zum sogenannten Lipstick-Effekt: Kleinere Luxusgüter, darunter viele Lebensmittel, laufen gut, während die großen gemieden werden.
Dennoch ging der Entscheidung pro Umbau und Modernisierung ein längerer Abwägungsprozess voraus. Zwei Faktoren nämlich sind laut Gödecke für die Branche zu Investitionshemmnissen geworden: der Fachkräftemangel und die gestiegenen Arbeitskosten. In vierter Generation führt sie das Unternehmen, das meist gewachsen ist, wenn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten investiert wurde. Die Inhaberin nennt als Beispiel den Umzug von Gladbeck nach Bottrop in die Horster Straße in den 80er Jahren und die damit verbunden Flächenvergrößerung. Zudem fiel die Eröffnung des Marktes in Bottrop-Kirchhellen mitten in die globale Finanz- und Wirtschaftskreise 2008/2009. Auch die Corona-Pandemie konnte der Unternehmerin den Mut zur Investition nicht nehmen: Mit einem außergewöhnlichem Umbau-Konzept hat Kathrin Gödecke in dieser Zeit den Markt an der Horster Straße als „Ruhrpott-Rewe“ weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt gemacht. Insofern wundert es nicht, dass ihr auch bei der Investition in den Standort Kirchhellen die Chancen größer erschienen als die Risiken – zumal auch die EU einen Grund in die Waagschale geworfen hat: Im März 2024 ist die neue F-Gas-Verordnung (EU) 2024/573 in Kraft getreten – ein Steuermittel zur Schrittweisen Abschaffung von teilhalogenierten Fluorkohlenwasserstoffe in Kältemitteln zugunsten natürlicher Alternativen. „Die entsprechenden Kühlanlagen im Lebensmittelhandel müssen bis 2030 ausgetauscht werden“, berichtet Gödecke, die diese Gesetzesvorlage „eiskalt“ verwandelt hat: in einen Zugewinn an Wettbewerbsfähigkeit. So sind die neu installierten „Waterloop-Kühlsysteme“ erheblich energieeffizienter. „Wir sind eines der ersten Unternehmen im REWE-Verband in Deutschland, das in diese innovative Technik investiert“, sagt Gödecke, die ihre Märkte somit mindestens für die kommenden zehn Jahre bestens aufgestellt sieht.

Treffpunkt Service-Theke

Top-Technik und Tradition: An der Service-Theke hat sie das Beste aus beiden Welten zusammengeführt. „Wir wissen alle, wie schwierig es im Lebensmitteleinzelhandel geworden ist, personalintensiven Service anzubieten“, betont Gödecke. Doch hält sie solche Leistungen für unverzichtbar, um ihre Supermärkte von Discountern zu differenzieren. Einfach nur zeitweise eine Theke zu verdunkeln, ist für Gödecke keine Lösung. Am Standort Kirchhellen darf es gerne eine Idee mehr sein: „Wir haben im Markt eine Metzgerei gebaut, die eine moderne Optik aufweist und sich zugleich an das Geschäft meiner Großeltern anlehnt“, erklärt sie. Dank eigener Öffnungszeiten sei der Servicebereich jetzt flexibler zu betrieben und somit das Investitionsrisiko geringer.
Gestiegen ist die Verweildauer der Kundschaft im Markt: Die Anmutung eines Fachgeschäftes mit Säulenarkaden kommt sehr gut an, es gibt nur positive Rückmeldungen, berichtet Gödecke. Nicht nur mit dem „Shop-im-Shop“ ist es ihr gelungen, ein Einkaufserlebnis zu schaffen. Mit seinen Reminiszenzen an die traditionelle westfälische Konsum-Kultur ist der ganze Markt zu einem Leichtturm des Lebensmitteleinzelhandels geworden. Das Schild „Bunte Tüte vonne Bude“ beispielsweise weist den Weg zur Süßwarenabteilung, und die Durchsagen ertönen mit Lokalkolorit: „Hömma, Kasse eins geht in Betrieb“. „Den Menschen aus unserem Einzugsgebiet einen Marktplatz zu präsentieren, mit dem sie sich identifizieren und in dem sie sich wohlfühlen – das ist das Konzept der Investitionen“, erklärt Gödecke.
Und wie fühlt sie sich selbst, bei einem Volumen von 2,5 Millionen Euro für beide Märkte? „Ich habe schon ein paar Nächte unruhig geschlafen“, räumt Gödecke ein und verweist auf einen zwischenzeitlichen Stopp der „Bundesförderung Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“. Fördermittel habe sie nur beim Umbau des Marktes an der Horster Straße einsetzen können. Doch denkt sie bereits über die nächsten Investitionen nach, darunter KI-gestützte Technik. „Wer in der Wirtschaftskrise Investitionen anschiebt, hat die Nase weit vorn, wenn die Konjunktur wieder anspringt“, begründet Gödecke.