Wirtschaftsspiegel
Nr. 6984074
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Wir investieren

Logistik-Plattform der Spitzen-Klasse

Im Gewerbepark gate.ruhr, auf dem vormaligen Zechengelände Auguste Victoria 3/7, hat die Thalia Bücher GmbH einen Omni-Channel-Hub gebaut – ein Gewerbe-, Logistik- und Produktionszentrum mit mehreren Hundert Arbeitsplätzen, die zum großen Teil zurzeit neu geschaffen werden.
„Buten und Binnen, Wagen und Winnen – außen und innen, wagen und gewinnen.“ Den alten Wahlspruch der Bremer Kaufleute hatte Marco Rebohm natürlich im Gepäck, als er 2023 als Geschäftsführer „Supply Chain und Logistik“ bei der Thalia Bücher GmbH angeheuert hat – schließlich ist er in der Hansestadt aufgewachsen und hat den Torbogen des historischen IHK-Gebäudes, der diese Inschrift trägt, oft durchschritten. Insofern wundert es nicht, dass er den Unternehmensbereich schnurstracks auf Expansionskurs gebracht hat.
Zunächst hat Thalia im vergangenen Jahr das Logistikzentrum im thüringischen Hörselgau erweitert – gemeinsam mit dem langjährigen Logistikpartner Rhenus. Im neu errichteten Autostore werden eingehende Artikel – ob Buch, Geschenkartikel oder Spielware – nach Zugriffshäufigkeit sortiert und in einem von etwa 240.000 Behältern gelagert – und zwar so, wie es aus logistischer Perspektive am besten ist. Schließlich muss später auf schnellstem Weg kommissioniert und abgeliefert werden, zu Endkunden oder Filialen. Die Lagerbewirtschaftung übernehmen mehr als 500 Roboter, die dort ihre Bahnen ziehen und mit dem Lagerpersonal zusammenarbeiten. Die Feuertaufe im Weihnachtsgeschäft hat das System mit Bravour bestanden. „Wir haben bereits jetzt gesehen, dass diese Investitionsentscheidung richtig war“, berichtet Rebohm.

Marl: „Herzstück der Thalia-Logistik“

Am neuen Standort in Marl aber – er ist seit Jahresanfang in Betrieb – kann künftig noch mehr bewegt werden. Unter diesem Dach ist Platz für 280.000 Behälter und 720 Roboter – 530 gehen im Sommer dieses Jahres in Betrieb. Der gesamte Workflow ist, unter anderem mit einem neuen Order-Management-System, auf Schnelligkeit und Effizienz programmiert. Kilometerlange, hochautomatisierte Fördertechnik sorgt dafür, dass rund um die Uhr alles fließt, und zwar flott. Rebohm sieht den Marler Autostore als „Herzstück der Thalia-Logistik“. Wenn er über die technische Finesse der Intralogistik und über die räumlichen Dimensionen des Omni-Channel-Hubs spricht, muss er für einen Moment das hanseatische Understatement zugunsten eines Superlativs über Bord werfen: „Diese Autostore-Anlage ist die gegenwärtig größte in Deutschland, ihr Durchsatz zählt zu den stärksten der Welt“, sagt der Geschäftsführer.

Mehr Power durch Prozesshoheit

Marco Rebohm Geschäftsführer Supply Chain und Logistik bei Thalia
Marco Rebohm, Geschäftsführer Supply Chain und Logistik bei der Thalia Bücher GmbH © Bettina Engel-Albustin/Fotoagentur Ruhr moers
Rund 100 Millionen Euro hat Thalia am Standort Marl investiert – in eine 56.000 Quadratmeter große Immobilie auf gepachtetem Grundstück, die aus mehreren hochwertig gestalteten Hallenbereichen, einem mehrgeschossigen Bürogebäude, einem Parkhaus mit rund 500 Stellplätzen sowie 200 überdachten Fahrradstellplätzen besteht. Soviel zum Stichwort „Wagen“. Zum Thema „Winnen“ will Rebohm keine Zahlen nennen. Die erwartbare und für ihn wesentliche Rendite der Investition beschreibt er lieber mit einem Wort: Zukunftsfähigkeit. „Um weiterhin im deutschsprachigen Markt führend zu bleiben, müssen wir Geschwindigkeit aufbauen“, erklärt Rebohm. Ihm geht es darum, dass Thalia in den Bereichen Logistik und Supply-Chain-Management Schritt hält mit dem eigenen wirtschaftlichen Wachstum. Im Geschäftsjahr 2024/25 beispielsweise hat die Thalia-Gruppe einen Umsatz von insgesamt 2,2 Milliarden Euro erzielt.
Bisher hat das Unternehmen im Aufgabenfeld Logistik mit externen Dienstleistern kooperiert. „Das ist auch okay und wird weiterhin gemacht“, sagt Rebohm. Am Standort Marl indes setzt Thalia auf ein eigenes, neu aufgestelltes Team und auf neue IT-Lösungen. „Wir wollen innovative Ansätze schneller und kompromisslos durchsteuern und brauchen somit die vollständige Prozesshoheit entlang der gesamten Supply Chain“, erklärt der Manager. Genau deshalb habe das Unternehmen in den Omni-Channel-Hub in Marl investiert, der jetzt Schritt für Schritt weiter ausgebaut werde. Spielraum soll entstehen – für neue Geschäftsideen, weitere Nutzungen und innovative Prozesse. Trotz geopolitisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten gleich zwei Autostores aufzubauen, ist für ihn kein Widerspruch. „Gerade in den vergangenen Monaten haben wir gelernt, dass in Deutschland die Infrastruktur anfällig ist, das bestätigt unsere Zwei-Lager-Strategie“, erklärt Rebohm. Wenn eines der beiden ausfalle, könne das andere abfedern. „Das alles ist aber nur zu realisieren, weil hinter Thalia mehrere Familienunternehmer stehen, die sehr davon überzeugt sind, was die Geschäftsführung macht“, betont Rebohm. Ihm ist bewusst, dass sich viele Entscheider zunächst erschüttert zeigen, wenn Kosten für Transformationsprojekte der Logistik und der Supply Chain aufgerufen werden. Was dabei vergessen werde: Es gehe oft um die Summe der Mittel, die zehn oder 20 Jahre lang nicht investiert wurden. Rebohms Rat: „Investieren Sie lieber kontinuierlich schrittweise, denn je länger Sie die Projekte aufschieben, um so schwieriger wird es, hinterherzukommen.“