Wirtschaftsspiegel
Nr. 6991942
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Wir investieren

Investition der smarten Art

Ein Neubau als Strategie: Die Dülmener STF Gruppe setzt auf Geothermie, Photovoltaik und Speichertechnik – und macht den Firmensitz zum Reallabor der Zukunft.
Inzwischen beschäftigt die STF Gruppe national und international mehr als 500 Mitarbeitende an mehr als 20 Standorten. Gestartet vor 28 Jahren der Telekommunikation, hat sich das Engineering-Unternehmen noch zwei weitere Geschäftsfelder erschlossen: Digitalisierung mit Schwerpunkt Simulationsprojekte und Analysen sowie Fachplanungen der technischen Gebäudeausrüstung.
Etwas hat in dieser Erfolgsgeschichte bisher noch gefehlt: ein eigenes Gebäude. Noch greifen der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Feldmann und sein Team auf den „Digitalen Zwilling“ zurück, um Kunden vor Augen zu führen, mit welchen Smart-Engineering-Lösungen sie ihre Immobilie nachhaltig und zukunftssicher ausstatten können. „Wir werden nach Fertigstellung unseres neuen Firmensitzes in Senden-Bösensell gegen Jahresende zusätzlich live zeigen, dass ein Gebäude nahezu energieautark und sehr flexibel in der Flächenaufteilung sein kann“, erklärt Feldmann.
STF hat den neuen Firmensitz von tiefem Grund auf konzipiert: Nachhaltige Energieversorgung, wie etwa Geothermie nämlich ist ein Spezialgebiet des Unternehmens. Fünfzehn 200-Meter-Tiefbohrungen befinden sich unter dem Gebäude, das Retentionsgründach mit Photovoltaik-Modulen erhält. Auch an der Stromspeichertechnik wird bei STF nicht gespart: Die geplante Anlage, die mit einer eigenen Trafostation kombiniert wird, hat eine Kapazität von 210 kWh. „Bei Bedarf werden wir erweitern“, sagt Feldmann. Aber kann er ruhig schlafen, bei all den Investitionskosten und der aktuellen Wirtschaftslage? 13 Millionen Euro sind schließlich kein Pappenstiel.

Niedriger Zinssatz

„Wir setzen Kredite ein, die wir über das KfW-Förderprogramm Klimafreundlicher Neubau – Nichtwohngebäude (299) beantragt haben“, antwortet Feldmann. Der Anforderungen der DGNB-Zertifizierung zum Nachweis der Nachhaltigkeit und damit der Aufwand an Dokumentation und Planung seien zwar hoch. „Aber wir haben den Vorteil, dass wir selbst die Fachplaner sind, und wir wollen ja am Standort zeigen, wie sich Energie optimal einsetzen lässt“, sagt der Ingenieur. Der Mühe Lohn: STF kann mit einem Zinssatz kalkulieren, der deutlich unter dem Marktüblichen liegt. Überdies ist das Gebäude auch architektonisch auf Risikominimierung zugeschnitten. „Die 1.600 Quadratmeter große Fläche ist komplett offen, und wir können sie in bis zu vier Teile splitten, die unabhängig voneinander betrieben werden können“, erläutert Feldmann. Wenn KI die Arbeitswelt soweit verändern sollte, dass der klassische Schreibtisch im Raumkonzept ausgedient hat und das Team sich in der Lounge versammelt, um Lösungen zu entwickeln: Die STF Gruppe wäre vorbereitet. Die übrige Fläche läge nicht brach, bietet sie doch eine ideale Grundlage für Bildung und Innovation. Sie würde beispielsweise für Schulungen genutzt oder an Start-ups vermietet.

Reallabor der Zukunft

Ohnehin sollen auf dem Campus die Türen offenstehen für Menschen, die gemeinsam Zukunft gestalten wollen. „Wir nennen den Campus auch Reallabor der Zukunft“, sagt Feldmann und fügt an: „Komplexe Projekte von morgen werden wahrscheinlich ausschließlich in Partnerschaften gelöst“. So wolle STF beispielsweise gemeinsam mit der Fraunhofer-Einrichtung „Forschungsfertigung Batteriezelle“ (FFB), die in Münster-Amelsbüren ansässig ist, Speichertechnik smarter machen und unabhängiger von Import-Rohstoffen. Zudem könne der STF-Campus auch Schauplatz von Veranstaltungen des transnationalen Technologieforums „Dutch-German TECH.LAND“ werden. STF gehört dazu und ist in der Grenzregion entsprechend gut vernetzt. Feldmann ist sicher: Die Themen, die TECH.LAND aufgreift und vorantreibt, werden die aktuelle Wirtschaftskrise überdauern. Strategie also ist bei STF der General-Schlüssel zur Risikominimierung. „Wir konzentrieren uns auf die Themen, die sich mit unumkehrbaren Trends beschäftigen“, sagt Feldmann und nennt beispielhaft Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Er ist sicher: Viele Unternehmen, die nicht den Mut haben, sich mit Transformation und KI zu beschäftigten, laufen Gefahr, am Markt unter Druck zu geraten. Die STF Gruppe, die KI unter anderem im Zuge eines Forschungsauftrages zur Ausbreitungsanalyse elektromagnetischer Felder einsetzt, will im „Reallabor der Zukunft“ die Trends kräftig vorantreiben, und zwar über Generationen hinweg: Feldmanns Sohn Felix ist bereits in die Geschäftsführung eingetreten.